Gerichtsmedizinerin Andrea Berzlanovich präsentiert das Spurensicherungs-Set bei der Fortbildung „Gewalt macht krank“

Fortbildungsreihe „Gewalt macht krank“

In Fortbildungen lernen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Krankenhäusern, wie sie bei Betroffenen die Auswirkungen von häuslicher und sexualisierter Gewalt früh erkennen. Dadurch können Folgeerscheinungen für die Betroffenen verringert werden.

Die Früherkennung häuslicher und sexualisierter Gewalt trägt zur Prävention von gesundheitlichen Risiken bei. Dazu zählen etwa psychosomatische Folgestörungen wie Depressionen und Angststörungen, chronifizierte körperliche Beschwerden, sexuell übertragbare Krankheiten, aber auch Abortus, Frühgeburten und vieles mehr. Damit kann nicht nur das Leid der Betroffenen, vor allem Frauen und Kinder, verringert werden. Wenn Fehlbehandlungen und sogenanntes „Doctor-Shopping“ vermieden werden, kann das Gesundheitssystem Kosten sparen.

Krankenhaus als erste Anlaufstelle für Opfer häuslicher und sexualisierter Gewalt

22 Prozent der erwachsenen Frauen in Österreich erlebten oder erleben körperliche oder sexualisierte Gewalt in der Partnerschaft. 27 Prozent der Opfer wenden sich laut EU-Grundrechteagentur FRA an ein Krankenhaus oder eine ärztliche Ordination. Die Ursache akuter Verletzungen verschweigen betroffene Frauen allerdings oft aus Angst oder Scham.

Geschultes Gesundheitspersonal kann mithelfen, häusliche Gewalt zu enttabuisieren. Es dokumentiert Verletzungen und Spuren fachgerecht für ein späteres Gerichtsverfahren und informiert betroffene Patientinnen und Patienten über Gewaltschutzeinrichtungen.

Projekt-Info

Seit 2015 organisiert das Wiener Programm für Frauengesundheit in Kooperation mit der Generaldirektion des Wiener Krankenanstaltenverbunds (KAV) jährlich die interdisziplinäre Fortbildungsreihe „Gewalt macht krank – Früherkennung häuslicher und sexualisierter Gewalt durch das Gesundheitspersonal“.

Die Fortbildung steht allen Berufsgruppen offen, die Kontakt mit Patientinnen und Patienten haben. Bisher haben mehr als 500 Personen dieses Bildungsangebot genutzt. Jährlich werden drei Module zu je vier Stunden angeboten.

Inhalte:

  • Prävalenz häuslicher und sexualisierter Gewalt
  • Rechtlicher Rahmen im Krankenhaus
  • Umgang und Gesprächsführung mit gewaltbetroffenen Personen
  • Spurensicherung und Dokumentation
  • Gewaltschutzeinrichtungen in Wien
  • wechselnde Schwerpunkte wie Gewalt gegen Kinder, Gewalterfahrungen von geflüchteten Frauen, Gewalt im Alter, Gewalt gegen Männer

Koordinierende Organisation: Wiener Programm für Frauengesundheit

Kontakt:
Mag.a Alexandra Grasl
E-Mail: alexandra.grasl-akkilic@wien.gv.at

Kooperationspartner: Wiener Krankenanstaltenverbund – Generaldirektion

Kontakt:
Dr.in Michaela Rauschmeier
E-Mail: michaela.rauschmeier@wienkav.at

Website: www.wien.gv.at/gesundheit/beratung-vorsorge/frauen/frauengesundheit/schwerpunkte/gewalt/fortbildung.html

Zielsetzungen

Das Projekt unterstützt folgende Gesundheitsziele:

Ziel 1: Von Anfang an gesundheitliche Chancengerechtigkeit für Kinder und Jugendliche erhöhen
Ziel 6: Prävention, Früherkennung und Behandlungsabläufe bei epidemiologisch relevanten Krankheiten gezielt optimieren
Ziel 7: Psychosoziale Gesundheit der Wiener Bevölkerung stärken